Behandlung Interstitieller Zystitis

Eine vollständige Heilung der Interstitiellen Zystitis ist aufgrund der unklaren Ursache derzeit nicht möglich. Ziel ist es daher, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und die Symptome zu lindern. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer ist der Therapieerfolg. Die Erkrankung verläuft bei jedem anders und geht oftmals mit weiteren Erkrankungen einher, wie Allergien, Fibromyalgie, Blaseninfektionen oder Reizdarmsyndrom. Aus diesem Grund ist die Behandlung individuell sehr unterschiedlich und erfordert häufig eine ganze Reihe von Medikamenten und Maßnahmen. Ihr behandelnder Arzt wird vermutlich eine sinnvolle Kombination der folgenden Medikamente für Sie vorschlagen:

Zugelassene Arzneimittel zur Behandlung des chronischen Blasenschmerzes/der Interstitiellen Zystitis

Orale Therapie zur Regeneration der natürlichen Blasenschutzschicht

Wie bereits unter Krankheitsbild erläutert, wird eine Schädigung der Blasenschutzschicht als Ursache der Interstitiellen Zystitis vermutet. Es gibt verschiedene Wirkstoffe und Methoden, um die GAG-Schicht wiederherzustellen bzw. zu unterstützen.

Das einzige orale Arzneimittel, das zur Behandlung chronischer Blasenschmerzen in Europa zugelassen ist, ist ein Medikament mit dem Wirkstoff Pentosanpolysulfat (PPS). Es wird als Kapsel eingenommen. PPS wird aus Buchenholz gewonnen, ähnelt strukturell und funktionell den körpereigenen Glykosaminoglykanen und hat entzündungshemmende Eigenschaften. PPS baut kontinuierlich und langfristig die schützende GAG-Schicht wieder auf.

Für eine langanhaltende Wirkung muss PPS dauerhaft eingenommen werden. Bis sich die vollständige Wirkung entfaltet, können insbesondere zu Beginn der Therapie zusätzlich Schmerzmittel und Instillationen (siehe unten) eine sinnvolle Unterstützung darstellen.

Weitere Therapieoptionen zur Linderung der Blasenbeschwerden

Blaseninstillationen als Schutzfilm in der Blase

Bei Blaseninstillationen werden die flüssigen Arzneimittel über einen Katheter direkt in die Harnblase verabreicht. Die Wirkstoffe legen sich wie ein Schutzfilm über die geschädigten Stellen der natürlichen GAG-Schicht. Eine langanhaltende Regeneration wie bei der oralen Therapie erfolgt nicht. Der Vorteil der Blaseninstillationen ist, dass eine sofortige Linderung der Beschwerden eintritt. Diese hält allerdings nur kurze Zeit an, sodass die Instillation in regelmäßigen Abständen wiederholt werden muss – bei Therapiebeginn meist wöchentlich, im späteren Therapieverlauf etwa ein Mal im Monat. Zum Einsatz kommen dabei Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat, Hauptbestandteile der GAG-Schicht. Sie können einzeln oder in Kombination gespritzt werden.

Kostenübernahme

Da Blaseninstillationen nicht von den Krankenkassen übernommen werden, müssen betroffene Patienten diese Behandlung aus eigener Tasche bezahlen. Je nach Präparat und Häufigkeit der Instillationen können dadurch Kosten zwischen 600 und 1200 Euro pro Jahr entstehen.

Krampflösende Arzneimittel

Spasmolytika sind krampflösende Medikamente, die entspannend auf die glatte Muskulatur innerer Organe wirken. Sie können den mit der Interstitiellen Zystitis einhergehenden extremen Harndrang lindern, indem sie die dauerhaft verkrampfte Blasenmuskulatur entspannen.

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Antidepressiva

Aufgrund des hohen Leidensdrucks sind depressive Verstimmungen bei Interstitieller Zystitis eine häufige Begleiterkrankung. Daher kann eine antidepressive Therapie durchaus sinnvoll sein. Bestimmte Antidepressiva verbessern außerdem die gestörte Blasenfunktion, indem sie die Muskulatur des Blasenschließmuskels in der Füllungsphase der Blase beeinflussen und die Aufnahmekapazität der Blase verbessern. Zudem wirken sie gegen neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen), die bei der Interstitiellen Zystitis zusätzlich zu den Entzündungsschmerzen auftreten.

Entzündungshemmende Arzneimittel

Aufgrund der geschädigten Blasenschleimhaut können reizende Bestandteile des Urins leicht in tiefere Schichten der Blasenwand eindringen und eine Entzündung auslösen, die Blasenbeschwerden wie den typischen starken Harndrang verursachen kann. Entzündungshemmende Arzneimittel wirken dem entgegen und lindern gleichzeitig entzündungsbedingte Schmerzen.

Antiallergika/Immunsuppressiva

Viele Patienten mit Interstitieller Zystitis leiden gleichzeitig an einer oder mehreren Allergien. Auch wenn (bislang) kein ursächlicher Zusammenhang nachgewiesen wurde, finden die Betroffenen durch die Einnahme von Antiallergika bzw. Immunsuppressiva auch in Bezug auf ihre Blasenschmerzen Linderung. Die Medikamente drosseln überschießende Reaktionen des fehlgeleiteten Immunsystems und hemmen damit verbundene Entzündungen in der Blase.

 

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Beruhigungsmittel

Infolge der häufigen, auch nächtlichen Toilettengänge leiden fast alle Betroffenen unter Schlafmangel. Beruhigungsmittel können dazu beitragen, den Nachtschlaf zu verbessern und Stresssymptome bei Tag zu lindern.

Weitere Therapieoptionen zur Linderung der Schmerzen in der Blase

Schmerzmittel

Können die Blasenschmerzen durch die oben genannten Therapien nicht ausreichend gelindert werden, erfolgt unterstützend eine Schmerztherapie. Dafür kommen Opioide infrage – oder ggf. alternativ zur begleitenden Therapie neuropathischer Schmerzen – auch bestimmte Antiepileptika.

Interventionelle Therapien

Als interventionelle Therapien bei Blasenschmerzen/Interstitieller Zystitis bezeichnet man gezielte, nicht-chirurgische Eingriffe in den Krankheitsverlauf.

EMDA

Beim EMDA-Verfahren (electromotive drug administration) werden die Medikamente unter örtlicher Betäubung mit einem Elektrodenkatheder in die Blase eingebracht. Durch den schwachen Strom können die Wirkstoffe durch die Schleimhaut bis in die tieferen Schichten der Blasenwand vordringen. Das Verfahren kann mit einer Blasendehnung kombiniert werden, um das Blasenfassungsvermögen zu vergrößern.

Hydrodistension

Bei der Hydrodistension (auch "Blasenspiegelung" genannt) handelt es sich in erster Linie um ein Verfahren, das der Urologe zur Diagnose einsetzt, um Gewebeveränderungen der Blase sichtbar zu machen. Dabei wird über einen Katheder Wasser in die Blase gefüllt, sodass sich diese dehnt und besser untersucht werden kann. Da sich dadurch das Blasenvolumen erhöht und Verkrampfungen der Blase gelöst werden, wird die Hydrodistension auch zur Therapie der Interstitiellen Zystitis eingesetzt. Um Schmerzen bei der Dehnung der Blase für den Patienten zu vermeiden, wird dieses Verfahren unter Narkose durchgeführt.

Operationen

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Besteht die Erkrankung schon sehr lange oder sind die bisherigen und oben genannten Behandlungsmethoden nicht mehr ausreichend wirksam, kann im Einzelfall eine Operation der Blase notwendig werden. Dabei wird die Harnblase vollständig oder teilweise entfernt und durch Darmanteile ersetzt bzw. vergrößert. Manchmal wird auch eine Harnumleitung vorgenommen. Eine Erfolgsgarantie gibt es auch bei chirurgischen Eingriffen nicht.

Wie stark eine Operation zur Linderung der Beschwerden beitragen kann, ist individuell sehr unterschiedlich und vom bisherigen Krankheitsverlauf und der gewählten Operationsmethode abhängig.

Weiter: Maßnahmen zur Linderung

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