Diagnose Interstitieller Zystitis

1. Versorgungssituation

Die Betroffenen haben einen hohen Leidensdruck. Bis zur richtigen Diagnose vergehen oftmals viele Jahre. Eine beginnende Interstitielle Zystitis wird häufig als Harnwegsinfektion, Reizblase, Blasenschwäche, Schmerzneurose oder bei Männern als Prostataentzündung (Prostatitis) fehlgedeutet. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser kann die Behandlung helfen und desto eher kann ein schwerer und schmerzhafter Verlauf vermieden werden.

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Hinweis: Da die Erkrankung selbst für Fachärzte relativ schwer zu diagnostizieren ist, sollten Sie Ihren Arzt bei Blasenschmerzen (insbesondere bei Füllung der Blase und bei Beschwerden über einen längeren Zeitraum) darauf hinweisen, dass es sich möglicherweise um eine Interstitielle Zystitis handeln könnte und um entsprechende Untersuchungsmethoden und ggf. die Überweisung an einen Urologen oder ein IC-Zentrum bitten.

+++ Kurz und knapp +++
  • Im Schnitt vergehen 9 Jahre bis zur Diagnose.
  • Unterschied zur Harnwegsinfektion: Eine Harnwegsinfektion wird durch Bakterien verursacht, die Interstitielle Zystitis nicht – daher können auch keine Bakterien im Urin nachgewiesen werden. Eine Entzündung der Blase liegt bei beiden Erkrankungen vor, weshalb ein Patient, der an einer Interstitiellen Zystitis leidet, auch häufiger eine Harnwegsinfektion bekommt. Hinter einer bestehenden oder immer wiederkehrenden Harnwegsinfektion kann sich deshalb eine Interstitielle Zystitis verbergen.

2. Diagnose

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Gerade im Anfangsstadium fehlen objektive Befunde, die eine deutliche Unterscheidung zwischen der Interstitiellen Zystitis und anderen ähnlichen Erkrankungen möglich machen. Der erste und wichtigste Schritt ist die Anamnese: Der behandelnde Arzt muss Symptome, Begleiterscheinungen, sonstige Erkrankungen, Operationen, Blasenentleerungsstörungen und vorangegangene Harnwegsinfekte erfragen und dabei schon im Blick haben, dass es sich um eine Interstitielle Zystitis handeln könnte.

Genauso wichtig ist es, Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden, für die es gesicherte Diagnoseverfahren gibt, auszuschließen:

Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen

  • Harnwegsinfektion
  • Blasenharnsteine
  • Prostataentzündung (Prostatitis)
  • gutartige Prostatavergrößerung
  • gut- oder bösartige Tumore
  • Erkrankungen des Immunsystems
  • Gelenk- und Muskelerkrankungen
  • weichteilrheumatische Erkrankungen (Fibromyalgia rheumatica)
  • Rheumatoide Arthritis ("Rheuma")
  • Endometriose
  • Vorausgegangene Thrombose oder Lungenembolie
  • Reizdarmsyndrom
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Hilfreich ist es auch, wenn Sie als Patientin oder Patient einige Tage lang ein Drang- und Schmerztagebuch (s. Abbildung) führen, das Hinweise auf das Ausmaß der Symptome und den Schweregrad der Erkrankung, aber auch auf Auslöser wie Stress oder Ernährung beinhaltet.

Drang- und Schmerztagebuch

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Um die Diagnose "Interstitielle Zystitis" stellen zu können, müssen nicht nur Harnwegsinfektionen ausgeschlossen werden, sondern auch Blasentumore. Dazu empfiehlt sich eine Blasenspiegelung (= Zystoskopie). Unter Vollnarkose oder einer Rückenmarksnarkose wird die Blasenwand schmerzfrei so gedehnt, dass die stecknadelgroßen Einblutungen in der Blasenwand zu erkennen sind, die auf die Interstitielle Zystitis hindeuten. Um die Diagnose abzusichern und um Blasenkrebs auszuschließen, kann zusätzlich zur optischen Beurteilung eine Gewebeprobe der Blasenwand entnommen werden (= Biopsie).

Keine Angst vor der Blasenspiegelung

Mit den heutigen flexiblen Zystoskopen ist die Blasenspiegelung sehr schonend. Das Wasserlassen kann nach der Untersuchung dennoch zunächst ein wenig schmerzhaft sein. Es kann auch vorkommen, dass der Urin vorübergehend leicht blutig ist.

TIPP:

Trinken Sie reichlich, um die Blase und die Harnröhre ordentlich zu spülen.

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