Krankheitsbild Interstitielle Zystitis

Schmerzen im Unterleib, ständiger Harndrang und häufiges Wasserlassen können auf eine chronische Entzündung der Blase hinweisen. Da es eine ganze Reihe von Erkrankungen gibt, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, ist die Interstitielle Zystitis (IC) nicht leicht zu diagnostizieren.

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Anfangs sind die Symptome sehr unspezifisch und können auch auf einen akuten Harnwegsinfekt, eine vergrößerte Prostata, eine Prostataentzündung oder eine überaktive Blase hindeuten. Erst später stellen sich einige typische Symptome heraus, wie Schmerzen bei Blasenfüllung. Daher ist es im Anfangsstadium für Ärzte so schwer, die Erkrankung zu erkennen, zumal etwa 20 Prozent der überwiegend weiblichen Patienten zusätzlich unter einer bakteriellen, chronisch wiederkehrenden Blasenentzündung leiden. Da die anhaltenden und wiederkehrenden Blasenschmerzen das typische Symptom der Erkrankung darstellen (deshalb auch "chronischer Blasenschmerz" genannt), sollten Sie bei entsprechenden Beschwerden unbedingt handeln und Ihren Arzt darauf hinweisen.

Zahlen und Fakten

Da die Interstitielle Zystitis schwer zu diagnostizieren ist, gibt es keine exakten Hinweise auf die Zahl der Betroffenen. Die Krankheit kann in jedem Lebensalter sowie bei Frauen und Männern gleichermaßen auftreten. Tatsächlich sind Frauen mit einem Anteil von 90 Prozent häufiger betroffen als Männer. In vielen Fällen machen sich die ersten Symptome bereits vor dem 30. Lebensjahr bemerkbar, auch wenn die eindeutige Diagnose "Interstitielle Zystitis" sich meist deutlich später – zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr – stellen lässt. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Patienten bei erstmaligem Auftreten der Symptome deutlich jünger oder älter sind.

Bei der Interstitiellen Zystitis werden die Beschwerden jedoch nicht durch Bakterien ausgelöst, weshalb eine Behandlung mit Antibiotika keine Wirkung zeigt. Auch wenn die Ursache weitgehend unbekannt ist, vermuten Mediziner, dass die Schutzschicht der Blase, die normalerweise verhindert, dass die innere Blasenwand mit den aggressiven Substanzen im Urin in Kontakt kommt, beschädigt ist. Dadurch können reizende Harnbestandteile in tiefere Gewebeschichten vordringen und eine Entzündung hervorrufen.

Die Blasenschutzschicht wird aus dem Zucker Glykosaminoglykan gebildet und heißt deshalb GAG-Schicht. Treffen die Reizstoffe aus dem Harn fortwährend auf die Nerven in der Blasenwand, verursacht das nicht nur krampfartige Schmerzen, sondern auch ein ständiges Zusammenziehen der Blasenmuskeln. Durch die chronische Entzündung wird das Volumen der Harnblase dauerhaft kleiner, weshalb die Betroffenen weitaus häufiger als gesunde Menschen einen Harndrang verspüren. Das führt bei fortschreitender Erkrankung zu Veränderungen im Interstitium (med.: Zwischenraum zwischen Organen, Geweben oder Zellen – daher auch der Name "Interstitielle Zystitis"). Eine chronische Zystitis liegt vor, wenn die Beschwerden aufgrund der Entzündung länger als 6 Monate – entweder permanent oder schubweise/immer wiederkehrend – auftreten.

+++ Kurz und knapp +++
  • Bei 90 Prozent der Betroffenen können Defekte in der Schleimhautschicht der Blasenwand nachgewiesen werden.
  • Tatsache ist, dass durch die chronische Entzündung der Blase, verursacht durch die Interstitielle Zystitis, die Anfälligkeit für eine bakterielle Harnwegsinfektion deutlich steigt.

Anzeichen der Erkrankung

Viele Betroffene leiden außerdem unter Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Erschöpfung, Depressionen oder Allergien. Von Medizinern, Wissenschaftlern sowie Patienten ist immer wieder zu hören, dass die Beschwerden erstmals nach einer Unterleibserkrankung, Operation im Bauchraum, nach schweren bakteriellen Infekten oder der Einnahme von Antibiotika auftraten.

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