Eine Blasenentzündung nach der anderen?

Hinter anfälliger Blase könnte eine Interstitielle Zystitis stecken

Bonn, 03.06.19 Wer sich trotz vorbeugender Maßnahmen und konsequenter Antibiotikabehandlung immer wieder eine Blaseninfektion einfängt, sollte seine Blase genau untersuchen lassen. Denn die Grundanfälligkeit für häufige Blaseninfektionen könnte von einer Interstitiellen Zystitis herrühren. Diese chronische Entzündung der Blase ist selten und wird daher selbst von Fachärzten nicht immer sofort erkannt. Dabei ist Früherkennung hier besonders wichtig. Wenn die Erkrankung jahrelang unbehandelt bleibt, kann sie im späteren Verlauf zu unerträglichen Beschwerden führen.

Manche Menschen machen alles richtig: Sie ziehen ihre nassen Badesachen aus, halten Füße und Unterleib warm, achten auf eine gute Intim- und Sexualhygiene und ernähren sich vitaminreich, um ihr Immunsystem zu stärken. Dennoch werden sie – oftmals über Jahre – von regelmäßig wiederkehrenden Blasenentzündungen geplagt. Mediziner sprechen auch von chronisch rezidivierenden Harnwegsinfektionen. Wenn auch vorbeugende Behandlungsmaßnahmen zum Beispiel mit D‑Mannose nicht helfen oder die konsequente Therapie mit Antibiotika wirkungslos erscheint, lohnt sich ein genauerer Blick in die Blase. Es besteht die Möglichkeit, dass die Betroffenen an einer Interstitiellen Zystitis leiden. Bei dieser Erkrankung ist die Schutzschicht, die die Blasenwand auskleidet, dauerhaft beschädigt. Aggressive Substanzen im Urin treffen ungehindert auf die Nerven der Blasenwand, dringen in tiefere Gewebeschichten vor und rufen Entzündungsreaktionen hervor. Wellenförmig auftretende Druckschmerzen, häufige Toilettengänge tags und nachts, ständiger Harndrang sowie eine hohe Anfälligkeit für bakterielle Blaseninfektionen sind die Folgen.

Blasenspiegelung bringt meist Gewissheit

Die Interstitielle Zystitis ist selten und die Beschwerden ähneln oft anderen, häufiger auftretenden Erkrankungen. Aus diesem Grund wird sie vor allem im frühen Stadium meist verwechselt, zum Beispiel mit der überaktiven Blase oder mit der Prostataentzündung (Prostatitis) beim Mann. Mittels einer Blasendehnung im Rahmen einer Blasenspiegelung kann die Interstitielle Zystitis in der Regel eindeutig diagnostiziert werden. Bei dieser Untersuchung, die unter Narkose vorgenommen wird, hält der Arzt Ausschau nach chronisch entzündeten Gewebebereichen (wie den sogenannten Hunner-Läsionen) und nach stecknadelgroßen Einblutungen in der Blasenwand, in der Fachsprache Petechien oder Glomerulationen genannt, die für die Interstitielle Zystitis charakteristisch sind. Fällt die Diagnose positiv aus, sollte der Arzt so schnell wie möglich eine Behandlung einleiten.

Seit kurzem gibt es eine offizielle medizinische Leitlinie1, die die Behandlung der Interstitiellen Zystitis für Arzt und Patient erleichtern soll und die in einer patientenfreundlichen Version online unter https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-050.html einzusehen ist. Diese enthält eine Übersicht über medikamentöse Behandlungsformen, aber auch Empfehlungen zur Ernährung, Entspannungsmethoden und Physiotherapie bei Interstitieller Zystitis.

Darüber hinaus kann die Broschüre „Chronischer Blasenschmerz ‑ Interstitielle Zystitis“ kostenfrei postalisch und über das Internet angefordert oder heruntergeladen werden: BGV e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-blasenschmerzen.de. Diese gibt einen Überblick über das Krankheitsbild, Begleiterkrankungen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten und richtet sich an Interessierte, Patienten und Personen mit bislang ungeklärten chronischen Blasenschmerzen.

(1)   Der Verein ICA e.V. (https://www.ica-ev.de/) initiierte die Leitlinie und war federführend an ihrer Erstellung beteiligt: "Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS)", AWMF Registernummer 043/050, https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-050.html