Starke Blasenschmerzen und zig Mal auf Toilette? Das ist nicht immer eine Infektion!

Bonn, 18.02.19 Immer wieder Schmerzen beim Wasserlassen, Unterleibskrämpfe und häufiger Harndrang sind typische Anzeichen wiederkehrender Blaseninfektionen. Doch was tun, wenn keine Erreger nachweisbar sind und Antibiotika keine Besserung bringen? In diesem Fall könnte es sich um eine Interstitielle Zystitis handeln. Bei der Erkrankung ist das Blasengewebe dauerhaft entzündet, weil es aufgrund einer beschädigten Blasenschutzschicht immer wieder in Kontakt mit aggressiven Stoffen aus dem Urin kommt.

Die Ursachen der Interstitiellen Zystitis sind noch weitgehend ungeklärt. Fakt ist aber: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser können die Beschwerden gelindert werden. Unbehandelt kann sie zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen. Doch die Diagnosestellung hat es aus verschiedenen Gründen in sich.

Zu Beginn nicht eindeutig

Im Anfangsstadium sind die Symptome sehr unspezifisch und können ebenso gut auf eine vergrößerte Prostata, eine Prostataentzündung, eine überaktive Blase oder einen akuten Harnwegsinfekt hindeuten. Typische Anzeichen wie Schmerzen während der Füllphase der Blase können ein erstes Indiz für eine Interstitielle Zystitis sein und sich im Verlauf der Erkrankung verstärken.

Nicht immer allein

Infolge der dauerhaften Entzündung ist die Blase bei einer Interstitiellen Zystitis besonders anfällig für Harnwegsinfektionen, sodass beide Erkrankungen gemeinsam auftreten können. In diesem Fall fällt ein Erregernachweis positiv aus und der Arzt verschreibt möglicherweise ein Antibiotikum. Die bakterielle Infektion wird dadurch bekämpft – doch die Beschwerden werden nicht verschwinden, denn die Interstitielle Zystitis als Quelle allen Übels wird auf diese Weise weder erkannt noch erfolgreich behandelt. 

Nicht auf dem Schirm

Die Interstitielle Zystitis ist eine seltene Erkrankung, sodass Ärzte sie bei der Diagnose oftmals gar nicht oder erst spät in Betracht ziehen. Patienten, die Hinweise auf eine Interstitielle Zystitis zu erkennen glauben, sollten daher ihren Verdacht ruhig äußern und um eine urologische Abklärung bitten.  

Blasenspiegelung, ja bitte!

Eine Diagnose der Interstitiellen Zystitis ist mithilfe einer Blasenspiegelung möglich. Dabei wird die Blasenwand unter Narkose so gedehnt, dass die stecknadelgroßen Einblutungen in der Blasenwand  erkennbar sind. Eine Gewebeprobe kann das Ergebnis gegebenenfalls absichern.

Im Durchschnitt vergehen neun Jahre, bis Patienten mit Interstitieller Zystitis erfahren, woran sie leiden. Mit der Broschüre „Chronischer Blasenschmerz/Interstitielle Zystitis“ will der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e.V dazu beitragen, die Erkrankung bekannter zu machen, damit sie früher diagnostiziert und behandelt werden kann. Der Ratgeber richtet sich an Betroffene und kann kostenfrei postalisch und über das Internet angefordert oder heruntergeladen werden: BGV e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-blasenschmerzen.de.