Maßnahmen zur Linderung des
chronischen Blasenschmerzes

Mit einer Interstitiellen Zystitis zu leben, ist eine große Herausforderung. Es gehört ein hohes Maß an Eigeninitiative dazu, um herauszufinden, welche Maßnahmen Ihnen Linderung verschaffen und welche nicht. Pauschale Tipps sind hier deshalb fehl am Platz. Probieren Sie aus, was Ihnen guttut.

Umgang mit der Erkrankung

Viele Menschen leiden an einer chronischen Erkrankung. Ein offener Umgang damit ist natürlich immer Vertrauenssache, doch wenn Sie versuchen, die Krankheit zu verbergen, geraten Sie schnell in Stress – das ist Gift für Sie. Freunde und Familienmitglieder haben ganz bestimmt Verständnis für Ihre Situation. Sollten sich die Beschwerden negativ auf Ihre Leistungsfähigkeit im Beruf auswirken, ist es sicher besser, mit Ihrem Vorgesetzten darüber zu reden, auch wenn es schwerfällt.

Ernährungsgewohnheiten überprüfen

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Grundsätzlich gibt es keine Ernährungseinschränkungen. Als Patientin oder Patient mit Interstitieller Zystitis können Sie alles essen und trinken. Doch die Erfahrung zeigt, dass bestimmte Getränke und Nahrungsmittel die Beschwerden verstärken können. Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Betroffene berichten, dass sehr scharfe oder säurebildende Lebensmittel die Schmerzen oder den Harndrang verstärken. Dazu zählen Kaffee, Alkohol, Zitrusfrüchte, Tomaten, Essig, Zucker und Süßstoffe. Wie eine Befragung des Vereins ICA-Deutschland e.V. zeigt, genügt es in der Regel, einige wenige Lebensmittel wegzulassen, um die Symptome zu reduzieren. Eine spezielle Diät ist nicht notwendig.

Ernähren Sie sich ausgewogen, ballaststoff- und vitaminreich, denn ein starkes Immunsystem schützt Sie vor Bakterien und zusätzlichen Blasenentzündungen. Eine bestimmte Trinkmenge wird heutzutage nicht mehr empfohlen, aber wenn Sie weniger als einen Liter täglich trinken, reizt der konzentrierte Urin die Blase zusätzlich. Viele Patienten schwören zusätzlich auf Blasentee zum Spülen der Harnwege.

Stress reduzieren/Entspannung suchen

Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, Tai-Chi, Qigong und das gerade bei Schmerzpatienten hilfreiche Achtsamkeitstraining können dabei unterstützen, die emotionale und körperliche Belastung zu reduzieren. Positiv auf die Beschwerden wirken sich insgesamt ein starker Beckenboden und leichte sportliche Betätigung aus, da dies die Durchblutung im Unterleib verbessert. Probieren Sie aus, ob Ihnen Osteopathie oder Massagen helfen. Halten Sie sich warm, da Unterkühlung die Abwehrkräfte schwächt und zu Infektionen führen kann. Wärme in Form von Sitzbädern und Wärmflaschen tut ebenfalls gut. Gestalten Sie Ihr Leben aktiv und versuchen Sie, gezielt Ruheinseln in den Tagesablauf einzubauen. Wenn Sie müde sind, weil Sie mehrmals pro Nacht zur Toilette müssen, dann gönnen Sie sich zwischendurch ein bisschen Schlaf und vermeiden Sie Stress und Hektik.

Entspannungsübungen

Stressbewältigung durch Achtsamkeit

Achtsamkeitstraining bietet praktische Übungen im Umgang mit Stress, starken Emotionen und körperlichen Schmerzen. Durch sanfte Yoga- und Dehnübungen, Meditation und achtsame Körperwahrnehmung werden Körper und Geist beruhigt. Entwickelt hat die Methode in den 1970er-Jahren der US-amerikanische Arzt und Universitätsprofessor Jon-Kabat Zinn vor allem für chronische Schmerzpatienten. Bekannt wurde das Trainingsprogramm als Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR). Für Anfänger bietet sich ein 8-Wochen-Kurs als Einstieg in die regelmäßige Achtsamkeitspraxis an.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Einige Betroffene machen gute Erfahrungen mit Akkupunktur oder Neuraltherapie* zur Linderung der Schmerzen. Da nahezu ein Drittel der Erkrankten zusätzlich an einem Reizdarmsyndrom leidet, ist eine gesunde Darmflora – übrigens auch der Sitz unseres Immunsystems – besonders wichtig. Auch unter diesem Aspekt ist eine ausgewogene und ggf. histaminreduzierte Ernährung** von Bedeutung.

* Bei der Neuraltherapie wird ein Schmerzmittel an bestimmte Stellen gespritzt, um Blockaden zu lösen.

** Histamin ist ein natürlicher Botenstoff. Er wird vom Körper selbst gebildet, kommt aber auch in vielen Lebensmitteln vor.

Manche Patienten, bei denen zusätzlich zur Interstitiellen Zystitis ein Reizdarmsyndrom vorliegt, erfahren Linderung durch eine mikrobiologische Therapie, andere ergänzen ihre Medikation durch homöopathische Blasenglobuli.

Austausch mit anderen Betroffenen

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Bei einem schweren Verlauf kommen die Schmerzen, der quälende Harndrang und die ständigen Untersuchungen einem wahren Martyrium gleich. All jene, die noch keine Diagnose haben, zermürbt darüber hinaus die Ungewissheit.

Umso wichtiger ist es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auch wenn jede Krankheitsgeschichte anders ist, so ist es doch möglich, dass Ihnen der eine oder an - dere Hinweis weiterhilft, etwa zu Entspannungsmethoden oder zur Ernährung. Vielleicht profitieren Sie auch von praktischen Tipps zur Bewältigung des Alltags – etwa zu Konzert- und Restaurantbesuchen oder Reisen.

Sie sind nicht allein!

Werden Sie aktiv und schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an oder werden Sie Mitglied beim Verein ICA Deutschland e.V.

Selbsthilfegruppe

Verein ICA Deutschland e.V.

Hilfe bietet der Verein ICA Deutschland e.V. Auf dessen Internetseite finden Sie viele Hintergrundinformationen, praktische Tipps und Erfahrungsberichte von Betroffenen. Viele Ergebnisse von Patientenbefragungen und medizinisch relevante Informationen sind in diese Broschüre eingeflossen.

Der Verein ICA Deutschland e.V. unterstützt Sie auch bei der Suche nach Ärzten und Kliniken, die sich auf die Erkrankung spezialisiert haben.

ICA Deutschland e.V.
Förderverein Interstitielle Cystitis
Jürgen Hensen
Untere Burg 21
53881 Euskirchen
E-Mail: info@ica-ev.de
www.ica-ev.de

Weiter: Links & Adressen

BGV Info Gesundheit e.V. • Heilsbachstr. 32 • 53123 Bonn • E-Mail: info(at)bgv-info-gesundheit.de

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